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Dr. Lloyd Axworthy: Lehrreicher Arbeitsaufenthalt als Richard von Weizsäcker Fellow

15. November 2016. Während seines mehrwöchigen Arbeitsaufenthalts als Richard von Weizsäcker Fellow absolvierte Dr. Lloyd Axworthy ein umfangreiches Programm: Dazu gehörten eine Vielzahl an Hintergrundgesprächen mit deutschen Entscheidungsträgern, Experten und Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Vorträge an verschiedenen internationalen Organisationen und die Teilnahme an der Academy on Tour zum Thema „Germany and the Refugee Story“. Seine gewonnenen Erkenntnisse hielt er in einer Kolumne in der Winnipeg Free Press fest und trug sie somit in seine Heimat auf der anderen Seite des Atlantiks.

Lloyd Axworthy, der unter anderem kanadischer Außenminister und Minister für Arbeit und Immigration war, analysiert darin nicht nur die drängendsten migrationspolitischen Herausforderung auf globaler und nationalstaatlicher Ebene, sondern interessiert sich auch für die lokalen Probleme und Erfolge von Integrationsmaßnahmen in Deutschland. So berichtet er beispielweise von den Bemühungen Münchens, die Aufnahme Tausender Geflüchteter zu koordinieren, oder von einer Zusammenkunft mit Vertretern von Jugendorganisationen deutscher Parteien, die sich für einen besseren Zugang zu Bildung und bezahlbaren Wohnraum für Flüchtlinge einsetzen. Neben den bisher noch eher kleinen Erfolgen bei der Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt streicht Lloyd Axworthy auch die Inflexibilität heraus, mit der viele Unternehmen und Politiker auf Bundesebene auf die Herausforderungen der sogenannten „Flüchtlingskrise“ reagieren – und dadurch Chancen für die deutsche Wirtschaft vertun. Lloyd Axworthy arbeitet in seiner Kolumne auch Parallelen zwischen der Bombardierung von Aleppo und Dresden heraus und erklärt seinem kanadischen Publikum die Hintergründe von Merkels Fehlen auf dem UN-Gipfel zu Flucht und Migration. Bei all seinen Überlegungen ist eine Frage von besonderer Bedeutung: Was können wir im Bereich Integration und Migration voneinander lernen – insbesondere zwischen Deutschland und Kanada? Lloyd Axworthy weist nicht nur darauf hin, wie sehr Deutschland von den kanadischen Erfahrungen in diesem Bereich profitieren könne, sondern findet auch mahnende Worte für seine Landsleute: Die Stimmung gegen Geflüchtete sei wie ein Virus, der eine Gefahr für unser Wertesystem darstellt – die Grundlage für Stabilität, Wohlstand und den Erfolg unseres demokratischen Gesellschaftmodells. Dieses gilt es nun zu verteidigen. Offenheit, Toleranz, Respekt für Verschiedenheit und die Akzeptanz der Rechtsstaatlichkeit, so stimmt er mit dem kanadischer Premierminister überein, ist das, was die Welt jetzt braucht.