Kumi Naidoo
Wie können Aktivisten in Zeiten globaler Krisen wirkungsvoller handeln? Und wie können Vorstellungskraft und das Konzept des „Artivismus“ dazu beitragen, eine gerechtere und nachhaltigere Welt zu schaffen?
Mehr über Kumi Naidoo
„Mein Leben wurde sowohl von Schmerz als auch von Politik geprägt. Das Aufwachsen im Apartheid-System hat mich gelehrt, dass Ungerechtigkeit nichts Abstraktes ist. Sie ist gewollt“, sagt Kumi Naidoo. „Ein Freund meines Vaters, der Aktivist war, riet mir: Führe ein zielgerichtetes Leben und setze dich für die Würde anderer ein. Das war der wertvollste Rat, den ich je erhalten habe.“ Dieses Zitat bringt anschaulich zum Ausdruck, was Kumi Naidoo zu einem lebenslangen Aktivisten für Gleichberechtigung, sozialen Wandel und Nachhaltigkeit gemacht hat.
Naidoo wurde am 8. Januar 1965 in Durban, Südafrika, geboren und engagierte sich bereits in jungen Jahren politisch. Mit gerade einmal 15 Jahren wurde er von der Schule verwiesen, weil er Proteste gegen die Apartheid-Regierung organisiert hatte. Sein Engagement führte zu Schikanen durch die Behörden, die ihn schließlich ins Exil nach Großbritannien zwangen. Heute ist er weithin als führende Persönlichkeit und starke Stimme in diesem Bereich bekannt. Seine Arbeit für Nichtregierungsorganisationen und supranationalen Gremien erstreckt sich über mehr als drei Jahrzehnte.
Naidoo erlangte durch Führungspositionen in bedeutenden Organisationen internationale Anerkennung. Als Generalsekretär von CIVICUS: World Alliance for Citizen Participation (1998–2008) setzte er sich für Menschenrechte und Bürgerbeteiligung ein. Im Jahr 2009 wurde er als erster Vertreter des Globalen Südens Geschäftsführer von Greenpeace International und konzentrierte sich dabei auf Klimawandel, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Von 2018 bis 2020 setzte er sich als Generalsekretär von Amnesty International für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Flüchtlingsschutz und Gleichberechtigung ein.
Über seine Karriere hat Kumi Naidoo den Schwerpunkt auf Basisaktivismus und globale Solidarität gelegt. Heute trägt er als Präsident des „Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty“ zum Aufbau eines Netzwerks aus Organisationen und Gemeinschaften bei, das sich gegen den fortgesetzten Abbau und Verbrauch fossiler Energieträger einsetzt. Zudem strebt Naidoo den Ausbau des „Global Artivism Movement“ an, die er gemeinsam mit der Riky Rick Foundation for the Promotion of Artivism und in Zusammenarbeit mit dem Künstler Olafur Eliasson sowie Kulturschaffenden aus aller Welt begründet hat. Inspiriert vom verstorbenen südafrikanischen Rapper Riky Rick zielt diese Bewegung darauf ab, Erzählkunst und Kreativität als Mittel zur Mobilisierung zu nutzen.
Als Fellow der Robert Bosch Academy in Berlin will Kumi Naidoo verbesserte Formen des Aktivismus entwickeln und fördern. „Hinter Klimawandel, Ungleichheit und dem Abbau demokratischer Strukturen verbirgt sich eine tiefgreifende Wertekrise“, sagt Naidoo. „Wir haben Systeme geschaffen, die Profit über Menschen, Wachstum über Wohlbefinden und Ausbeutung über Fürsorge stellen.“ Für ihn liegt der Schlüssel zur Bewältigung und Lösung der vielen Krisen darin, neue Formen des Geschichtenerzählens, der Kultur und der Kreativität zu nutzen. Seiner Ansicht nach müssen Bewegungen genauso überzeugend sein wie die Kräfte, gegen die sie sich stellen.
Lebenslauf
September 2024 - heute President, Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty
März 2024 – heute Leadership Council, EPIC
Dezember 2018 – heute Global Ambassador, Africans Rising for Unity, Justice, Peace and Dignity
2018 – 2020 Secretary General, Amnesty International
2009 – 2015 Executive Director, Greenpeace International
1998 – 2008 Secretary General, CIVICUS: World
Kumi Naidoos Richard-von-Weizsäcker-Fellowship
Während seines viermonatigen Richard von Weizsäcker Fellowships möchte Kumi Naidoo marginalisierte Perspektiven stärken und Kreativität als wirkungsvolles Instrument zur Mobilisierung kollektiven Handelns nutzen. Er vertritt die Ansicht, dass die systemischen Herausforderungen unserer Zeit – wie der Klimawandel oder die anhaltenden Ungleichheiten zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden – nach einem fantasievolleren und von Solidarität getragenen Aktivismus verlangen.
Aufbauend auf laufenden Forschungsarbeiten und persönlichen Erfahrungen wird sich Kumi Naidoo während seines Stipendiums auf drei Schwerpunkte konzentrieren. Erstens plant er die Produktion der vierten Staffel des „Power People and Planet“-Podcasts, in der Gespräche mit Bosch Fellows und Führungskräften (insbesondere aus dem Globalen Süden) geführt werden, um ethische Führung zu beleuchten und marginalisierte Perspektiven zu stärken. Zweitens wird er die „Global Artivism Movement“ ausbauen, die er gemeinsam mit der Riky Rick Foundation for the Promotion of Artivism und in Zusammenarbeit mit dem Künstler Olafur Eliasson gegründet hat, indem er globale Partnerschaften und Strategien entwickelt, um Storytelling und Kreativität als wirkungsvolle Instrumente zur Mobilisierung kollektiven Handelns zu nutzen. Drittens wird er an seinem in Kürze erscheinenden Buch über ein neues Verständnis von Aktivismus arbeiten.
Durch den Austausch mit Stipendiaten, politischen Entscheidungsträgern und anderen Aktivisten in Berlin möchte Kumi europäische Perspektiven einbeziehen und Reflexion mit Handeln verbinden, um neue Formen der Führung und des Engagements anzuregen – gerade jetzt, wo diese dringend benötigt werden.