Phumzile Mlambo-Ngcuka
Phumzile Mlambo-Ngcukas Richard-von-Weizsäcker-Fellowship
Afrikas Jugend für die Arbeitswelt von morgen befähigen
Afrika hat die jüngste und am schnellsten wachsende Bevölkerung der Welt. Bis 2050 wird jeder vierte Mensch in der globalen Erwerbsbevölkerung Afrikanerin oder Afrikaner sein. Ob das eine Chance wird oder eine Krise, hängt von einer einzigen Frage ab: Können afrikanische Bildungssysteme junge Menschen darauf vorbereiten, in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts zu bestehen? Derzeit, so Phumzile Mlambo-Ngcukas Überzeugung, gelingt das viel zu selten.
Die Lücke zwischen Bildung und Arbeit
Phumzile Mlambo-Ngcuka kennt dieses Problem aus vielen Perspektiven: Als Vizepräsidentin Südafrikas trieb sie die „Joint Initiative on Priority Skills Acquisition (JIPSA)“ voran, eine nationale Initiative, die die Kluft zwischen der in Südafrika vermittelten Schulbildung und den Kompetenzen, die seine Wirtschaft brauchte, überbrücken sollte. Ihre kritische Beobachtung: Viele Absolvent:innen verfügen über Zeugnisse, aber keine relevante Berufserfahrung – und wenig Chancen, diese zu erwerben. Sie initiierte Programme, die junge Südafrikaner:innen für Praktika ins Ausland, darunter auch nach Deutschland vermittelten. Die strukturelle Lücke zwischen Bildung und Arbeitswelt ist jedoch bis heute nicht geschlossen.
Wo Deutschland Vorbild sein kann
Das duale Ausbildungssystem in Deutschland – die Verbindung von schulischem Lernen und Ausbildung im Betrieb – ist weltweit eines der am intensivsten studierten Modelle für die Verbindung von Bildung und Arbeitsmarkt. Als Fellow möchte Phumzile Mlambo-Ngcuka Inneneinblicke in dieses System erhalten und untersuchen, auf welchen Bedingungen es beruht, was es tatsächlich leistet und was sich möglicherweise auf die sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte in Südafrika übertragen lässt. Dazu sucht sie das Gespräch mit Unternehmen, Bildungseinrichtungen, politischen Entscheidungsträger:innen sowie mit jungen Menschen selbst.
Den Erkenntnistransfer gestalten
Im Rahmen ihrer Fellowships plant Phumzile Mlambo-Ngcuka, konkrete politische Empfehlungen für Südafrika zu erarbeiten und tiefere Beiträge zur Debatte über Afrikas Jugend und die Zukunft der Arbeit zu entwickeln. Sie ist überzeugt: Bildung muss auf Problemlösung ausgerichtet sein. Sie muss Menschen hervorbringen, die Arbeit schaffen – nicht solche, die sie suchen. Und sie muss junge Menschen ernstnehmen, nicht als Empfänger:innen und Empfänger, sondern als Gestalter:innen von Zukunft.