Ratna Omidvar
Mehr über Ratna Omidvar
Lebenslauf
1949 Geboren in Amritsar, Indien
1970-1975 Germanistikstudium in München; lernt ihren zukünftigen Mann kennen; zieht nach Teheran
1981 Flucht aus dem Iran; Neuanfang in Kanada als Geflüchtete
1984-1998 St. Stephen's Community House, Toronto – Arbeit mit Immigrant:innen und Geflüchteten
1998-2014 Präsident, Maytree Foundation, Toronto
2003 Mitgründerin, Toronto Region Immigrant Employment Council (TRIEC)
2011 Berufung als Mitglied des Order of Canada
2014 Gründung des Global Diversity Exchange, Toronto Metropolitan University; Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
2016-2024 Unabhängige Senatorin im kanadischen Senat, Ontario; Vorsitzende des Senatsausschuss für Soziales, Wissenschaft und Technologie
2024 Public Policy Fellowship, Toronto Metropolitan University
2026 Richard von Weizsäcker Fellowship, Robert Bosch Academy, Berlin
Ratna Omidvars Richard-von-Weizsäcker-Fellowship
Neue Impulse für die deutsch-kanadische Partnerschaft zu Migration
Als Richard von Weizsäcker Fellow möchte Ratna Omidvar die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kanada in der Migrationspolitik mit neuer Energie und konkretem gemeinsamen Handeln füllen. Beide Länder teilen nicht nur Grundwerte wie Demokratie und Menschenrechte; sie stehen heute auch vor ähnlichen Herausforderungen, sagt sie. Dazu gehören alternde Bevölkerungen, Arbeitskräftemangel, wachsende Skepsis gegenüber Einwanderung und die Notwendigkeit, Flucht- und Arbeitsmigration menschenwürdig zu gestalten.
Migration mit anderen Augen sehen
Kanadas Erfahrung als multikulturelle Gesellschaft und Deutschlands wachsendes Selbstverständnis als Einwanderungsland böten die Grundlage für eine vertiefte bilaterale Zusammenarbeit, sagt Omidvar und postuliert einen dringenden Perspektivwechsel: „Geflüchtete werden auf eine Weise etikettiert, die ihnen wirklich wichtige Eigenschaften nimmt: Geflüchtete sind Ärzt:innen, Handwerker:innen, Köch:innen, Ehefrauen, Studierende. Sie haben Kompetenzen, die man nicht entdecken kann, solange man sie nicht dabei unterstützt, sich zu stabilisieren."
Mit der Zivilgesellschaft Integration verbessern
Aufbauend auf dem deutsch-kanadischen Migrationsabkommen will Ratna Omidvar erkunden, wie sich die bilaterale Partnerschaft durch den Austausch bewährter Praktiken, gemeinsame Forschung, innovative Kooperationen und geteilte Evaluation mit neuem Leben füllen lässt. Besonders interessiert sie sich für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Städten, Hochschulen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Mehr bürgerschaftliches Engagement ist für sie der Schlüssel zur gelingenden Integration von Migrant:innen und Geflüchteten. Sie verweist hierbei auf erprobte Ansätze in Kanada, wo etwa der Staat NGOs finanziert, Bürger:innen Patenschaften für Geflüchtete übernehmen und Bundesländer ihre eigenen Einwanderungskontingente festlegen.
Neue Partnerschaften in Forschung, Innovation und Politik
Zentrale Fragen für Omidvar sind: Welche Politikfelder – etwa Arbeitsmarktintegration, Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder Fluchtmigration – bieten das größte bilaterale Potenzial? Und wie lassen sich politischer Wille, behördliche Abstimmung und öffentliche Meinung so mobilisieren, dass tragfähige Lösungen entstehen?
Geflüchtete und Migrant:innen sind eine Chance für die Länder, die sie aufnehmen, sagt Omidvar. Einsatz und Ausdauer der Einwanderer:innen seien aus der Not heraus entstanden. „Ich kann Ihnen Geschichte um Geschichte von Menschen erzählen, die nach Kanada gekommen sind, um Schutz zu suchen, und dieses Land zu einem besseren gemacht haben – ganz unabhängig davon, dass sie ein gutes Leben für sich aufgebaut haben. Sie haben unser Land zu einem besseren gemacht."