Richard von Weizsäcker Forum 2022
Die Alpen: Wo man die negativen Folgen des Klimawandels beobachten kann
Michael Rapp: „Jede Region in Deutschland hat einen anderen Energiebedarf und Zugang zu unterschiedlichen Rohstoffquellen, die sie für eine zukunftsfähige Energiewende nutzen kann. Wir brauchen mehr Unterstützung von der Bundesregierung, um die Infrastruktur entsprechend der lokalen Ressourcenverfügbarkeit auszubauen und die Energiewende für die Bürgerinnen und Bürger bezahlbar zu machen.“
Dr. Ulrike Wolf: „Die Tourismusindustrie muss sich wie jede andere Branche auch auf eine klimafreundlichere Arbeitsweise einstellen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Tourismus in hohem Maße von intakten Ökosystemen abhängig ist und viele touristische Attraktionen in ökologisch sensiblen Gebieten liegen. Die Branche muss sich der komplizierten Herausforderung stellen, kosteneffiziente Lösungen anzubieten und gleichzeitig sicherzustellen, dass diese Gebiete intakt bleiben.“
Prof. Dr. Hans Peter Schmid: „Der Wissenstransfer aus unserer Forschung in alle Bereiche der Öffentlichkeit ist Teil unserer Aufgabe. In vielen Fällen stoßen unsere wissenschaftlich fundierten Empfehlungen für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel auf großes Interesse. Damit ist es aber meist auch schon getan. Es ist nach wie vor schwierig, politische Entscheidungsträger und die Zivilgesellschaft von der Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen zu überzeugen, selbst angesichts der dramatischen Beweise für die Auswirkungen der Klimaerwärmung jetzt und in Zukunft.“
Stephan Jocher: „Es war ein langer und anstrengender Prozess, diesen Solarpark zu bauen und die Menschen und Politiker:innen von seinen Vorteilen zu überzeugen. In Zukunft müssen wir verschiedene Wege der Energieerzeugung finden – wie Solarenergie, Wasserstoff als Energieträger und nachwachsende Energieträger finden, anstatt uns auf eine einzige Quelle zu verlassen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten. Je eher die staatlichen Stellen dies verstehen und den Prozess erleichtern, desto besser wird es sein.“
Filiz Albrecht: „Bosch ist seit 2020 weltweit klimaneutral – als erstes globales Industrieunternehmen. So sehr wir uns über das Erreichen dieses Ziels gefreut haben, sehen wir darin nicht das Ende unserer Bemühungen. Klimaschutz ist nur eine Facette der Nachhaltigkeit. Unter dem Begriff Nachhaltigkeit verstehen wir bei Bosch auch den sparsamen Umgang mit Ressourcen wie Energie und Wasser an unseren Standorten und die Erforschung neuer Technologien. Nachhaltigkeit ist kein „nice to have“-Thema, sondern zur Kernaufgabe unseres Handelns geworden. Und wir wollen, dass auch andere Unternehmen unserem Beispiel.“
Helena Geissler: „Es ist oft schwierig, verschiedene zivilgesellschaftliche Akteure hinter spezifischen politischen Forderungen zum Klimawandel und zur Nachhaltigkeit zu vereinen. Es ist ein Erfolg, dass wir als Münchner Nachhaltigkeitsinitiative eine so starke Unterstützung erhalten haben und dass sich so viele zivilgesellschaftliche Akteure aktiv an unserer Initiative beteiligen. Diese Unterstützung zeigt auch den lokalen Politikern, dass diese Themen für die Zivilgesellschaft sehr wichtig sind, und fordert die Politiker auf, Veränderungen in Angriff zu nehmen.“
Klara Bosch: „Ich bin mir bewusst, dass ich keine Politikerin oder demokratisch gewählte Vertreterin bin und kein Recht habe, Dinge zu entscheiden oder schnell zu ändern. Mit meiner Arbeit bei Fridays for Future möchte ich aber zeigen, dass man auch als Mitglied der Zivilgesellschaft mitentscheiden und etwas verändern kann.“
Deutschlands politisches Handeln in der Klimakrise
Franziska Giffey: „Wenn wir über Klimamaßnahmen sprechen, müssen wir die Diskussion im Rahmen des sozialen Zusammenhalts und der wirtschaftlichen Entwicklung sehen. Wir müssen für eine gute Infrastruktur und Alternativen sorgen, wie zum Beispiel bezahlbare öffentliche Verkehrsmittel und Ladestationen für Elektroautos.“
Michał Kurtyka: „Wir machen uns etwas vor, wenn wir glauben, dass die COP-Klimakonferenzen das Problem des Klimawandels lösen werden. Je eher wir das begreifen und über einen anderen Ansatz nachdenken, bei dem die Industrie, die Banken und die Zivilgesellschaft mit am Tisch sitzen, desto besser ist es.“
Samantha Gross: „Die Welt wird das Problem des Klimawandels nicht lösen, indem sie davon ausgeht, dass weniger Energieverbrauch der Weg der Zukunft ist. Dieser Ansatz wird nur zu einem ungerechten, ungleichen Transformationsprozess führen. Wir müssen Wege finden, um die Energiewende gerecht zu gestalten.“
Kumi Naidoo: „Die Klimakrise ist eine Folge des drastischen Versagens unserer demokratischen Finanz- und Regierungssysteme, die den unkontrollierten Überkonsum so lange unterstützt haben. Regierungen und Unternehmen müssen einen grundlegenden Wandel vollziehen, damit der Klimawandel erträglich und gerecht wird.“
Steffi Lemke: „Mein Ziel ist es, jetzt dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft weiter gut leben können – auch unter den Bedingungen der Klimakrise. Dafür setze ich auf natürlichen Klimaschutz, und dafür setze ich auf eine umfassende und vorsorgende Anpassungspolitik, die alle Akteure einbezieht und vernetzt.“