Richard von Weizsäcker Forum 2024
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In diesem Jahr trafen sich unsere Richard von Weizsäcker-Fellows in Deutschland, um mit deutschen Abgeordneten, Analyst:innen, Aktivist:innen, Lehrerinnen und Lehrern und Studierenden über das Wesen und die Nuancen der sich wandelnden internationalen Ordnung zu diskutieren. Gemeinsam untersuchten sie, wie die sich verändernde internationale Ordnung den gesellschaftspolitischen Diskurs in Deutschland prägt. Sie richteten den Blick auch darauf, wie sich die Vielzahl von Konflikten auf das soziale Gefüge des Landes auswirkt und die politischen Realitäten hier in Deutschland beeinflusst.
Das Jahr 2024 war in vielerlei Hinsicht ein wichtiges Jahr: Es hat nicht nur viele entscheidende Wahlen gegeben, sondern wir wurden 2024 auch Zeugen einer Eskalation der bewaffneten Konflikte in der Ukraine, im Gazastreifen und im Nahen Osten. Wir erlebten die Herausforderungen für die Demokratie angesichts des Aufstiegs rechter Politik und Politiker:innen in der ganzen Welt und sahen Teile der Weltbevölkerung, die den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt sind.
Die Unfähigkeit eines globalen multilateralen Systems, angemessene Antworten auf diese Fragen zu geben, legt zudem die Bruchlinien zwischen dem wohlhabenden, mächtigen Westen und dem aufstrebenden, ehrgeizigen so genannten Globalen Süden offen. In den Ländern des Globalen Südens, die sich dafür entschieden haben, ihre eigene Agenda zu verfolgen, gewinnen regionale und alternative interessenbasierte Bündnisse an Popularität. Darüber hinaus hat die Rolle der westlichen Länder bei der Beschleunigung des Klimawandels, der Verschärfung der Ungleichheit und der Untergrabung der menschlichen Sicherheit die Glaubwürdigkeit der so genannten liberalen Weltordnung und das Vertrauen in sie weiter in Zweifel gezogen. Hinzu kommt der Vorwurf an den Westen mit zweierlei Maß zu messen. Besonders die Länder des Globalen Südens teilen ein Gefühl der Enttäuschung darüber, dass sich die etablierten und mächtigen Länder des Westens weigern, Machtverschiebungen anzuerkennen, um die Bestrebungen aufstrebender Staaten zu behindern.
Herausforderungen für Deutschland
Eines der beherrschenden Themen der Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppensitzungen war die zunehmende Unfähigkeit des fehlerhaften multilateralen Systems, ein globales Gemeinwohl zu schaffen. Das Wiederaufleben von Nationalismus und Protektionismus in vielen Teilen der Welt hat die multilateralen Institutionen geschwächt, die einst das Fundament einer Global Governance bildeten. Es herrschte ein breiter Konsens darüber, dass das multilaterale System den Schwellenländern nicht genug Raum für die Vertretung ihrer Interessen bietet.
Die Teilnehmer:innen konkretisierten die breit angelegten Diskussionen über den Multilateralismus und betrachteten die Themen zudem aus der EU- bzw. Deutschland-Perspektive. So überbrückten sie die Kluft zwischen den theoretischen Diskussionen über die notwendige Veränderung des Multilateralismus auf der einen Seite und den Problemen bei der Implementierung solcher Reformen in Deutschland oder EU-weit auf der anderen Seite.
Diese Herausforderungen sind:
Das US-China-Dilemma
Bei allen Gesprächen über die sich verändernde Weltordnung stehen die Rivalität zwischen den USA und China und ihre Auswirkungen oft im Mittelpunkt – und das Richard von Weizsäcker Forum bildete da keine Ausnahme. Die Arbeitsgruppen befassten sich mit diesem Thema und berücksichtigten dabei die Nuancen und Herausforderungen, die von Politiker:innen, China-Beobachter:innen und einigen unserer chinesischen Fellows vorgebracht wurden:
Klimawandel
Der Klimawandel und die Bemühungen, seine Auswirkungen auf gefährdete Bevölkerungsgruppen zu minimieren, müssen bei der Betrachtung der sich verändernden internationalen Ordnung berücksichtigt werden. Wir haben Carlos Alvarado Quesada, den ehemaligen Präsidenten von Costa Rica, und Farhana Yamin, eine Klimaaktivistin und international anerkannte Juristin, eingeladen, darüber zu diskutieren.
Die Zeitenwende in Deutschland
Während des Forums herrschte Einigkeit darüber, dass die sich verändernde globale Ordnung nicht nur Auswirkungen auf die internationale politische Landschaft hat, sondern auch mit politischen Entwicklungen auf nationaler Ebene verknüpft ist. Diese internationalen Debatten verändern lokale Communities und haben begonnen, das Alltagsleben der Menschen zu beeinflussen. In Deutschland haben Faktoren wie der Aufstieg der Rechten, widersprüchliche politische Entscheidungen in Bezug auf Migration, Integration und Vielfalt, Diskussionen über den Klimawandel und Verschiebungen in der internationalen Ordnung erhebliche Auswirkungen auf lokaler Ebene. Wie sehen diese Veränderungen aus? Vor welchen Herausforderungen steht Deutschland? Ergreift es konkrete Maßnahmen, um darauf zu reagieren? Wenn nicht, was könnte es tun?
Das Forum hat folgende Überlegungen entwickelt:
Ein wichtiger Ort, an dem sich einige der erwähnten Konflikte um Migration, Klasse usw. abspielen, sind die Klassenzimmer in den Schulen. Hier treffen verschiedene Weltanschauungen aufeinander. Schüler:innen aller Altersgruppen kämpfen mit Fragen der Zugehörigkeit und Identität. Wenn hier nicht taktvoll vorgegangen wird, besteht die Gefahr, dass leicht zu beeindruckende junge Menschen negativ beeinflusst werden. Andererseits kann dieser Diskurs, wenn er strategisch angegangen wird, bei jungen Menschen auch Vertrauen schaffen in die Gesellschaft und das politische System, in dem sie leben. Wie könnte dies Erfolg haben?
Nachdenken. Diskutieren. Inspirieren. Und Feiern ...
2024 ist auch für die Robert Bosch Academy ein besonderes Jahr: Sie feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Die 2014 gegründete Academy zählt mittlerweile 118 Fellows aus 49 Ländern. Auf diese Leistung ist die Academy stolz.
Die Academy könnte nicht so besonders sein, wenn es nicht die Fellows gäbe, die sie mit Leben füllen, mit anregenden Diskussionen und einer Kameradschaft, die Grenzen überschreitet. Wir haben die Fellows gebeten, uns zu erzählen, warum eine Institution wie die Akademie wichtig ist und welche Rolle sie in polarisierenden Zeiten spielen kann.
The Spirit of the Robert Bosch Academy – Perspectives from our Fellows
Zu guter Letzt möchten wir der Robert Bosch Academy und allen, die sie zu dem machen, was sie ist, zum Geburtstag gratulieren - ein Ort zum Denken, Debattieren und Inspirieren.